Mentale Gesundheit - wie wir Resilienz auf- und Stress abbauen
- vor 3 Tagen
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Im Rahmen der Vortragsreihe der VHS durfte ich im Amtshaus Iggingen zeigen, was hinter dem Begriff Resilienz steckt und warum er für unser aller Alltag viel relevanter ist, als wir oft denken.
Was ist Resilienz eigentlich?
Resilienz ist unsere Fähigkeit, Krisen, Belastungen und Rückschläge ohne größere Belastung und Schaden zu bewerkstelligen.
Die gute Nachricht: Resilienz ist keine Eigenschaft, mit der man entweder geboren wird oder nicht. Sie ist eine Fähigkeit die man trainieren kann.
Wie unser Denken funktioniert – und wie wir es lenken können
Unser Gehirn ist ein Meister der Vereinfachung. Es lernt aus Wiederholung und baut Denkmuster auf, die uns im Alltag Zeit und Energie sparen. Das ist praktisch – bis diese Muster uns in die Quere kommen.
Wir haben an diesem Abend angeschaut, wie automatische Gedanken entstehen, warum das Gehirn tendenziell negativ gewichtet (Stichwort: Negativitätsbias) ist und wie wir durch bewusstes Innehalten beginnen können, unsere Denkmuster zu hinterfragen und zu verändern. Nicht durch Positiv-Denken auf Befehl – sondern durch echtes Verstehen, was da in uns passiert.
Die Säulen der Resilienz
Was macht Menschen widerstandsfähig? Die Forschung zeigt immer wieder dieselben Kernfaktoren – ich nenne sie gern die Säulen der Resilienz:
🌱
Selbstwirksamkeit
Das Vertrauen, Einfluss auf das eigene Leben nehmen zu können.
🤝
Soziale Verbundenheit
Menschen, auf die wir zählen können – und die auf uns zählen.
🧭
Sinn & Orientierung
Das Gefühl, dass das eigene Tun Bedeutung hat.
🔄
Akzeptanz & Anpassung
Loslassen, was wir nicht ändern können – und handeln, wo wir es können.
Im Vortrag haben wir konkrete Ansätze besprochen – kleine Alltagsgewohnheiten, die langfristig einen echten Unterschied machen.
Die teuersten Irrglauben des Alltags
Ein Abend über Resilienz wäre unvollständig ohne einen ehrlichen Blick auf die Denkfallen, in die wir fast alle tappen. Diese Glaubenssätze kosten uns täglich Kraft – oft ohne dass wir es merken:
✕ »Ich muss immer stark sein.«
Stärke zeigt sich nicht darin, keine Hilfe zu brauchen – sondern darin, sie anzunehmen, wenn es nötig ist. Verletzlichkeit ist keine Schwäche, sie ist der Anfang echter Verbindung.
✕ »Erst wenn alles perfekt ist, kann ich glücklich sein.«
Perfektion ist ein verschobener Zielpfosten. Wer Zufriedenheit an Perfektion knüpft, wird sie selten erleben. Resilienz wächst im Annehmen des Unvollkommenen.
✕ »Das bin nun mal ich – ich kann mich nicht verändern.«
Das Gehirn ist neuroplastisch bis ins hohe Alter. Muster, die wir erlernt haben, können wir auch umlernen. Es braucht Zeit, Geduld – und manchmal Begleitung.
✕ »Sich um sich selbst zu kümmern ist egoistisch.«
Wer den eigenen Akku leer laufen lässt, kann anderen dauerhaft nichts geben. Selbstfürsorge ist kein Luxus – sie ist die Grundlage für alles andere.
Ressourcen – was uns wirklich trägt
Am Ende des Abends haben wir uns den vielleicht persönlichsten Teil vorgenommen: die eigenen Ressourcen. Was gibt mir Kraft? Wohin kann ich mich innerlich zurückziehen, wenn es schwierig wird? Wer oder was ist mein Anker?
Viele Teilnehmende stellten fest, dass sie ihre Ressourcen kennen – sie aber im Alltag schlicht vergessen. Der Stress macht blind für das, was trägt. Eine einfache Übung, die wir gemeinsam gemacht haben: eine persönliche Ressourcenliste schreiben. Nicht für irgendwann – sondern für genau den Moment, wenn es eng wird.
»Deine Ressourcen sind nicht weg, wenn du sie gerade nicht siehst. Sie warten nur darauf, dass du dich erinnerst.«
Der Abend in Iggingen hat mir gezeigt, wie groß der Hunger nach solchen Gesprächen ist. Menschen möchten verstehen, was in ihnen vorgeht. Sie möchten praktische Werkzeuge – keine Patentrezepte, aber ehrliche Orientierung.
Ich bin dankbar für jeden einzelnen Menschen, der an diesem Abend dabei war, für die offenen Fragen, das Nicken, die Stille, wenn etwas ins Herz getroffen hat. Genau dafür mache ich diese Arbeit.



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