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Konflikte verstehen, Deeskalation üben - die Stadt Schwäbisch Gmünd stärkt ihre Betreuungskräfte

  • vor 7 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
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Fast 100 Betreuungskräfte. Sieben Termine. Ein Thema, das alle betrifft: Wie gehen wir mit Konflikten um – und wie bleiben wir dabei handlungsfähig?


Von Februar bis Mai hatte ich das Privileg, eine umfangreiche Schulungsreihe für die Betreuungskräfte der Stadt Schwäbisch Gmünd zum Thema Konflikt und Deeskalation zu begleiten. In sieben Terminen kamen knapp 100 Betreuungskräfte zusammen – Menschen, die täglich in Schulen und Horten mit Kindern, Kolleginnen und Eltern arbeiten und wissen, wie schnell aus einer Kleinigkeit eine echte Eskalation werden kann.

Mein Ziel war es keine trockene Theorie, die nach dem Workshop wieder in der Schublade verschwindet zu vermitteln, sondern echte Werkzeuge, die im Alltag ankommen und einfach in der Anwendung und Umsetzung sind.


Den Anfang machten die Deeskalationsstufen nach Friedrich Glasl – ein Modell, das auf den ersten Blick akademisch klingt, als Leitfaden jedoch der Orientierung dient. Wenn man versteht, auf welcher Stufe sich ein Konflikt gerade befindet und vor allem wie man ihn verhindern kann

, verändert sich der Blick: Man reagiert nicht mehr nur – man handelt gezielt und das zum richtigen Zeitpunkt.

Ein zweites großes Thema war Respekt. Nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als aktive Haltung. Oft eskalieren Situationen gar nicht wegen des eigentlichen Auslösers, sondern weil sich jemand nicht gesehen, nicht gehört, nicht ernst genommen fühlt. Respekt beginnt, bevor das erste Wort fällt. Und ja, Respekt kann anstrengend sein.

Dazu kam die Frage: Wie können wir andere besser verstehen? Warum reagiert jemand so, wie er reagiert – das Kind, der Kollege, das Elternteil? Wir haben geübt, innezuhalten und einen zweiten Blick zu wagen, bevor wir urteilen oder reagieren.

Ergänzt wurden diese Themen durch ausgewählte Modelle aus der Psychologie, die helfen, Verhaltensweisen besser einzuordnen – praxisnah und ohne Fachwissen-Voraussetzung. Und natürlich durch konkrete Handlungsstrategien: Was sage ich? Wie positioniere ich mich? Was brauche ich innerlich, um in einer aufgeheizten Situation ruhig zu bleiben?


Zurück in die Selbstwirksamkeit

Was mir bei dieser Schulungsreihe besonders am Herzen lag, war nicht nur der Inhalt – sondern die Haltung, mit der wir dem Thema begegnen.

Viele Betreuungskräfte kommen in Schulungen mit dem Gefühl: Ich mache irgendetwas falsch. Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll. Ich bin hilflos. Genau dieses Gefühl wollte ich verändern. Denn die meisten Menschen in helfenden Berufen haben bereits viele Ressourcen – sie brauchen keinen neuen Menschen aus sich zu machen. Sie brauchen Struktur, Bestätigung und manchmal einfach den richtigen Blickwinkel, um zu erkennen: Ich kann das.

Unser Gehirn mag keine großen Veränderungen. Wer sich von heute auf morgen komplett anders verhalten will, scheitert meistens – nicht an mangelndem Willen, sondern an der Biologie. Deshalb wurden alle Strategien in kleinen Schritten vermittelt, so dass sie Schritt für Schritt umsetzbar sind.

Und noch etwas war mir wichtig, das in solchen Schulungen oft vergessen wird: Nachsicht mit sich selbst. Wer lernt, in Konflikten ruhiger und klarer zu handeln, muss auch lernen, sich selbst gegenüber fair zu sein. Wir alle haben Momente, in denen wir nicht so reagieren, wie wir es uns wünschen würden. Das macht uns nicht schlechter in unserem Job – es macht uns menschlich.

Wer sich nur anderen gegenüber Nachsicht zugesteht, aber sich selbst unter Dauerdruck setzt, wird langfristig nicht gesünder im Umgang mit Konflikten. Die Arbeit an sich selbst beginnt eben auch mit Freundlichkeit – sich selbst gegenüber.


Was bleibt

Sieben Termine, knapp 100 Menschen, ein Thema, das nie an Relevanz verliert. Was bleibt, sind hoffentlich nicht nur Modelle und Strategien – sondern ein veränderter Blick auf Konflikte. Nicht als Bedrohung, sondern als Möglichkeit: zur Klärung, zum Wachstum, zum echten Kontakt.

Ich bin dankbar für diese Reihe, für alle, die mitgemacht, nachgefragt und sich gezeigt haben. Konflikte gehören zum Leben. Wie wir mit ihnen umgehen – das können wir lernen. Schritt für Schritt.

 
 
 

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